Wie verändern sich Berlins Oberflächengewässer im Klimawandel? Ein datenwissenschaftliches Monitoring-Projekt analysiert Pegelstände, Wasserqualität und Grundwasser mit Live-Daten aus 67 Messstationen.
Das Projekt
Berlin verfügt über ein dichtes Netz von Gewässern – Spree, Havel, Dahme, Teltowkanal und zahlreiche Seen prägen das Stadtbild. Doch der Klimawandel hinterlässt Spuren: längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände, steigende Wassertemperaturen. Das Berliner Gewässer-Monitoring-Dashboard (Botti Data Analytics) macht diese Veränderungen sichtbar – mit wissenschaftlichen Methoden und Live-Daten.
Datenquellen
- Wasserportal Berlin – Echtzeit-Messdaten von 67 Pegelstationen (Wasserstand, Durchfluss, pH-Wert, Wassertemperatur, Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt)
- GDI Berlin (WFS) – Geodaten der Messstellen und Gewässerstrukturen
- Deutscher Wetterdienst (DWD CDC) – Klimadaten von 5 Berliner Stationen (Temperatur, Niederschlag, Sonnenstunden)
- Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – Bevölkerungsentwicklung und Versiegelungsgrad
Alle Daten werden täglich automatisch aktualisiert und in einer MySQL-Datenbank vorgehalten. Derzeit umfasst der Datensatz über 72.000 Wasserstandsmessungen und 325.000 Wasserqualitätsdatenpunkte.
Wissenschaftliche Methoden
Das Dashboard setzt etablierte Verfahren der Zeitreihenanalyse ein:
- Mann-Kendall Trendtest – Nichtparametrischer Test auf monotone Trends, kombiniert mit dem Theil-Sen Schätzer für robuste Trendsteigungen (resistent gegen Ausreißer)
- Saisonale Dekomposition – Zerlegung der Zeitreihen in Trend-, Saison- und Restschwankung mittels gleitender Durchschnitte
- CUSUM-Changepoint Detection – Automatische Erkennung von Trendbrüchen (z. B. Dürrebeginn 2018)
- Wasserqualitätsindex (LAWA-basiert) – Bewertung der Gewässergüte aus pH, Temperatur, Sauerstoff, Nitrat und Phosphat
- Extremwertanalyse – Stationsspezifische Perzentile zur Identifikation von Niedrig- und Hochwasserereignissen
- Kreuzkorrelation – Statistischer Zusammenhang zwischen Wasserparametern und Klima-/Bevölkerungsdaten
Erste Ergebnisse
Die Analyse der Live-Daten seit 2023 zeigt deutlich:
- Sinkende Wasserstände in den Sommermonaten mit zunehmender Tendenz – die Dürrejahre 2018-2020 sind als klarer Trendbruch in den Zeitreihen sichtbar
- Steigende Wassertemperaturen mit einer Erwärmungsrate von etwa 0,3–0,6 °C pro Dekade, konsistent mit den DWD-Klimadaten
- Positive Korrelation zwischen Lufttemperatur und Wassertemperatur, negative Korrelation zwischen Niederschlag und Schadstoffkonzentration
- Starke jahreszeitliche Muster bei pH-Wert und Sauerstoffgehalt – Photosyntheseaktivität führt im Sommer zu höheren pH-Werten
- Rückläufige Nährstoffbelastung (Nitrat, Phosphat) dank verbesserter Klärtechnik, aber mit saisonalen Spitzen bei Starkregen
Das Dashboard
Das interaktive Dashboard gliedert sich in sieben Bereiche:
- Übersicht – Key Metrics und Echtzeit-Schnellcharts
- Oberflächenwasser – Wasserstands-Zeitreihen aller 67 Stationen mit Extremwertanalyse
- Wasserqualität – pH, Temperatur, Leitfähigkeit, Nährstoffe mit Parameter-Korrelationsmatrix
- Grundwasser – Grundwasserstände nach Stadtgebieten
- Trendanalyse – Mann-Kendall-Tests, Erwärmungsrate, CUSUM-Changepoints, saisonale Dekomposition, Heatmap der Monatsmittel
- Klima & Bevölkerung – DWD-Klimadaten und Korrelation mit Wasserparametern
- Quellen & Methodik – Dokumentation der Datenquellen und Analyseverfahren
Open Source & Ausblick
Das Projekt ist als Open Source konzipiert. Geplante Erweiterungen umfassen:
- Machine Learning für Niedrigwasser-Vorhersage (LSTM)
- Geografische Heatmap der Gewässerbelastung
- Integration von DWD-Klimaprojektionen (RCP-Szenarien)
- Automatisierte Berichterstattung für den WordPress-Blog
Das Dashboard ist öffentlich erreichbar unter: Botti Data Analytics – Berliner Gewässer
Datenquellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt; Deutscher Wetterdienst; Berlin Open Data.


